Aufhören mit Snus = Zwei Kilo mehr, Blutdruck höher.

Zwölf Wochen nach dem Snus-Stopp wog eine schwedische Kohorte im Mittel 1,8 Kilo mehr, der Blutdruck lag höher. Keine schlechte Nachricht. Aber eine, die du vorher kennen solltest.

Nahaufnahme einer Frau mit nach hinten gekämmten Haaren und Creolen, die nachdenklich zur Seite blickt, im Hintergrund Hochhäuser.

Die meisten Aufhör-Angebote erzählen dir, was besser wird. Diese Zahlen erzählen etwas anderes.

Gewicht und Blutdruck nach dem Snus-Stopp: die gemessenen Zahlen

Eine schwedische Studiengruppe hat 50 Freiwillige beim Snus-Stopp begleitet und zwölf Wochen lang gemessen. 33 von ihnen blieben die ganze Zeit dabei. Das Ergebnis nach drei Monaten Abstinenz:

  • Körpergewicht: +1,8 kg (Vertrauensbereich 1,1–2,4)
  • Systolischer Blutdruck: +3,7 mmHg (1,5–5,9)
  • HbA1c: +0,7 mmol/mol (0,0–1,6)

Der Blutdruck ist also nicht gesunken. Er ist gestiegen. Was zusätzlich geklärt werden soll ist die Frage ob der Blutdruck in diesem Fall wegen der schlechten Ernährung gestiegen ist. Achte also spätestens nach deinem Snus-Stopp auf eine gesunge und salzfreie Ernährung. Besonders empfohlen ist hier eine leichte mediterrane Ernährung.
Wer erwartet hat, dass nach drei Monaten ohne Nikotin alles besser dasteht, findet in diesen Daten also meistens das Gegenteil.

Warum du nach dem Snus-Stopp zunimmst

Nikotin ist ein Appetitzügler und hebt den Grundumsatz leicht an. Fällt es weg, verschiebt sich beides: mehr Hunger, etwas weniger Verbrauch. Dazu kommt bei vielen die orale Komponente — der Beutel unter der Lippe war über Jahre eine Dauerbeschäftigung für den Mund, und Essen füllt diese Lücke zuverlässiger als alles andere.

Der Blutdruckanstieg läuft plausibel über das Gewicht. Nikotin selbst wirkt akut blutdrucksteigernd; sein Wegfall wird hier kurzfristig überkompensiert. Das ist kein Argument dafür, dass Snus gut für dein Herz war — es ist ein Hinweis darauf, dass drei Monate ein kurzer Zeitraum sind.

Was diese Zahlen für den Snus-Stopp nicht sagen

Ehrlich bleiben heisst auch: die Grenzen der Studie nennen. Es waren 33 Personen an einem einzigen Zentrum. Das ist eine kleine Stichprobe, und einzelne Werte streuen erheblich. Der Vertrauensbereich beim HbA1c reicht bis an die Null — dieser Effekt könnte auch gar nicht existieren. Wer daraus eine Prognose für sich persönlich ableitet, überdehnt sie.

Und ein Mittelwert ist kein Schicksal. Aus der deutlich grösseren Forschung zur Rauchentwöhnung (62 Studien) weiss man: rund 16 Prozent der Aufhörenden verlieren Gewicht, rund 13 Prozent nehmen mehr als zehn Kilo zu. Die Spannbreite ist grösser als der Durchschnitt.


Gewicht und Blutdruck können kurzfristig steigen. Der Nutzen liegt weiter vorn.


Mit mediterraner Ernährung der Gewichtszunahme beim Nikotin-Stopp zuvorkommen

Die mediterrane Ernährung basiert auf der traditionellen Küche der Mittelmeerländer. Sie setzt auf reichlich frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und kaltgepresstes Olivenöl als Hauptfettquelle. Fisch und Geflügel kommen in Massen hinzu, während übermässiges Salz, rotes Fleisch und Süssigkeiten selten auf dem Teller landen.

Wichtigste Bestandteile der mediterraner Ernährung

  • Pflanzliche Basis: Täglich viel frisches Gemüse, Salate, Obst und Vollkorngetreide (wie Hafer, Dinkel oder Vollkornreis).
  • Gesunde Fette: Täglich Olivenöl zum Kochen und für Salate sowie eine Handvoll Nüsse oder Samen.
  • Eiweissquellen: Regelmässig Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen), dazu mehrmals die Woche Fisch und Meeresfrüchte.
  • Massvoller Genuss: Milchprodukte wie Schaf- oder Ziegenkäse und Joghurt in geringen bis mässigen Mengen; Fleisch nur selten.
  • Kräuter statt Salz: Frische Kräuter und Knoblauch zum Würzen nutzen.

Gesundheitliche Vorteile

  • Schützt das Herz und die Blutgefässe. Es kann also den Blutdruck gezielt senken.
  • Mediterrane Küche kann entzündungshemmend im Körper wirken.
  • Unterstützt einen stabilen Blutzuckerspiegel und kann das Risiko für Demenz und Herzinfarkte senken.

Gewichtszunahme nach zwölf Wochen: wie es weitergeht

Setzt du deine Essensgewohnheit wie gewohnt fort (ohne explizite Änderung deiner Essensgewohnheiten), schauen wir im folgenden Abschnitt wie die Studie auf dich Rückschlüsse ziehen könnte. Für Snus reicht die Messung nur bis Woche zwölf. Die Grössenordnung des weiteren Verlaufs muss man auf die Rauchentwöhnung ausweichen. Dort ist die Kurve gut belegt:

  • Nach 1 Monat: 1,1 kg
  • Nach 3 Monaten: 2,9 kg
  • Nach 6 Monaten: 4,2 kg
  • Nach 12 Monaten: 4,7 kg

Der entscheidende Punkt steckt nicht in den einzelnen Werten, sondern in ihrem Abstand und wie sehr du selbst auf gesunde Ernährung setzt. Denn zwischen Monat sechs und Monat zwölf kommt findet beinahe kaum mehr eine Gewichtszunahme statt. Der Grossteil passiert in den ersten drei Monaten. Genau in der Phase, in der du steckst, wenn du das hier liest. Danach flacht es ab. Das sind Zahlen aus der Rauchentwöhnung, nicht aus Snus-Studien: Sie taugen für eine annähernde Übersicht, aber nicht für eine Punktprognose.

Was gegen die Gewichtszunahme beim Snus-Stopp hilft

  • Regelmässige mediterrane Mahlzeiten mit ausgewogenen Essensgewohnheiten gemäss der Ernährungspyramide, statt Snacks nach Bedarf. Wer Blutzuckerabstürze vermeidet, muss weniger gegen Heisshunger ankämpfen.
  • Trinken. Durst wird häufig als Hunger fehlgedeutet und Wasser bedient nebenbei die orale Komponente, die bei Snus stärker ausgeprägt ist als beim Rauchen.
  • Vorbereitete Gemüse- und Obstsnacks. Nicht als Diät, sondern damit im entscheidenden Moment etwas anderes greifbar ist als das, was gerade in der Küche steht.
  • Bewegung gegen das akute Verlangen. Ein einzelner Einsatz senkt Craving messbar, für etwa eine halbe Stunde. Was Bewegung nachweislich nicht zuverlässig tut: deine langfristige Erfolgsquote erhöhen. Auch das gehört zur Ehrlichkeit.

Warum sich der Snus-Stopp trotzdem lohnt

Zwei Kilo und knapp vier mmHg sind das, was messbar ist und das nach zwölf Wochen, bei 33 Personen. Was in diesem Zeitraum nicht messbar ist, ist der Grund, warum du aufgehört hast: das, was Nikotinabhängigkeit über Jahre und Jahrzehnte macht, und die Tatsache, dass du nicht mehr alle vierzig Minuten an die nächste Portion denkst oder wenn du in die Ferien fährst und planen musst wie viele Dosen du mitnehmen musst.

Wer die Zahlen vorher kennt, deutet die Anzeige auf der Waage in Woche acht nicht als Rückschlag. Viel mehr ist es ein erwartbarer Teil des Prozesses, den du aber schon zuvor mit den oben genannten Tricks vermeiden kannst.

Dieser Beitrag ist Information zur Selbstbeobachtung, keine medizinische Beratung. Bei Blutdruckwerten, die dich beunruhigen, oder bei stark belastender Gewichtszunahme: mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen.

Quellen: Kardiometabolische Veränderungen zwölf Wochen nach Beendigung von Tabak- und Nikotinbeuteln, schwedische Kohortenstudie (2025) · Aubin HJ et al., Weight gain in smokers after quitting cigarettes, BMJ 2012 · Ussher MH et al., Exercise interventions for smoking cessation, Cochrane 2019